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Was ist eigentlich jung?
Noch vor einigen
Jahrzehnten ließ sich das Leben grob in vier Abschnitte unterteilen:
die Kindheit, die Jugend, die Erwachsenphase und das Alter. Das
Jugendalter reichte etwa vom Verlassen der Schule bis zur Heirat und
das Alter begann ungefähr mit dem Ruhestand.
Heute ist diese
Einteilung aufgrund verschiedener gesellschaftlicher und sozialer
Faktoren nicht mehr so einfach. Vor allem das Jugendalter scheint
extrem verlängert. Laut Definition beginnt es mit der Pubertät und
endet mit dem 21. Geburtstag. Dieser Endpunkt fällt jedoch
individuell verschieden aus. Ein langer Ausbildungsweg und eine
ausgeprägte Freizeit- und Jugendkultur verzögern das
Erwachsenwerden. Jung sein ist „in“. Auch den Beginn des Alters kann
man heute, nicht zuletzt aufgrund von Vorruhestand und
Arbeitslosigkeit, nicht mehr am Arbeitsleben festmachen. Und
pauschal gesagt: alt sein ist „out“.
Als ich noch klein war,
sagte ich immer: „Wenn ich mal erwachsen bin, dann mache ich …“
Doch was bedeutet für
mich eigentlich erwachsen sein, jung sein, alt sein? Was steckt
hinter diesen täglich so oft gebrauchten Wörtern?
Im „Spiegel“ habe ich
vor ein paar Jahren gelesen, der Eintritt ins Erwachsenenalter sei
durch drei Punkte gekennzeichnet: Gründung eines eigenen Haushaltes,
finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern und Familiengründung. Wenn
man von dieser Definition ausgeht, sind heute nicht wenige zwischen
20 und 30 noch nicht erwachsen. Ich z. B. bin 24 und lebe zwar in
meinem eigenen Haushalt, habe aber noch keine Familie gegründet und
bin auch froh, dass meine Eltern mir immer noch Geld zustecken, wenn
es mal knapp wird. Aber trifft diese Definition eigentlich zu? Ist
ein Studium nicht oft Ursache für eine teilweise finanzielle
Abhängigkeit von den Eltern weit über den 21. Geburtstag hinaus?
Auch wenn es dabei
manchmal nur um Kindergeld und die Familienversicherung bei der
Krankenkasse geht. Und sind dann etwa alle Studenten noch nicht
erwachsen?
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Und wie ist es, wenn man die Familiengründung betrachtet? Oft wird
eine Familie als hinderlich angesehen, wenn man Karriere machen
will. Sind dann alle Leute, die Karriere machen wollen und darum
keine Familie gründen, nicht erwachsen? Ich glaube es wird deutlich,
wie schwer diese Klassifizierung ist.
Was bedeutet jung sein?
In den Medien wird einem suggeriert: Jung sein ist schön sein. Das
ist nicht nur heute so. Schon vor über 100 Jahren hat Oscar Wilde in
seinem Buch „Das Bildnis des Dorian Gray“ die Angst vor dem
Älterwerden - dem Hässlichwerden, verarbeitet. Es geht dabei um
einen jungen Mann: Dorian Gray, der von einem Maler porträtiert
wird. Durch dieses Bild stellt er fest, wie wunderschön er ist,
diese Schönheit aber vergänglich ist, was er sich bis zu diesem
Zeitpunkt noch nicht vor Augen geführt hatte. Er wünscht sich
inständig, dass das Bild an seiner statt altert, was dann auch
passiert. Der Traum der ewigen Jugend. Ein Motiv, was einem täglich
begegnet und schon in der Antike die Griechen faszinierte. Um diesem
Traum zu entsprechen, werden die unterschiedlichsten Mittel
verfolgt. Anti-Aging-Cremes, Schönheitsoperationen, Vitaminpräparate
und Diäten sind nur einige davon. Doch wie bei Dorian Gray
verwandelt sich der Jugendwunsch oft in einen Fluch. Man vergiftet
sich mit Botox, macht Schulden, um sich sein Fett absaugen zu
lassen, betont jugendlich gekleidete Mittvierziger in der Disco
erregen auch eher Mitleid und „Berufsjugendliche“ leben jahrelang in
WGs, bis sie schließlich den Absprung zum eigenen Haushalt mit
eigener Familie nicht mehr schaffen.
Auch Oscar Wilde macht
zum Schluss deutlich, dass forever young einfach nicht möglich ist,
und zeigt die Schönheiten des Älterwerdens, wie einen großen
Erfahrungsschatz und eine gewisse Gelassenheit. Für mich bedeutet
es, nicht mehr getrieben zu sein von dem unruhigen jugendlichen
Geist, stets etwas erleben zu müssen. Kinder und Enkel zu bekommen,
sie aufwachsen zu sehen und durch sie jung zu bleiben.
Franziska Schwider
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